4

Strudl und Buil

Strudl und Buil sind auf Hochdeutsch gekochte Teigtaschen mit Bohnensuppe. Ich kenne sie als eine typisch Seewinkler Spezialität. Meine Oma würde wohl eher „Arme Leut“-Essen dazu sagen. Bei ihr gab es oft günstige Gerichte wie diese hier,  und ich, als 8-jähriger Stöpsel, habe sie alle geliebt – und das tue ich heute noch. Im Internet findet man praktisch keine Rezepte, Frisch gekocht hat sich vor 5 Jahren mal daran gewagt. Aber mit dem Gericht, wie es bei uns in Illmitz gemacht wird, hat das nicht viel gemeinsam!

Somit war schnell klar: die typisch Illmitzer Zubereitung von Strudl und Buil muss festgehalten werden! Super Nebeneffekt: es gibt sie endlich mal wieder zu essen. Meine Mama war schnell dafür zu begeistern, mir bei der Rezeptsuche zu helfen. Sie liebt Strudl und Buil nämlich genauso wie ich, hat sie aber auch noch nie gekocht. An den Geschmack und das Aussehen können wir uns gut erinnern, nur niedergeschrieben wurde das Rezept nie. Es wurde ausprobiert, gemutmaßt und herum telefoniert.  Zum Beispiel mit dem Seerestaurant Edils, um zu erfahren, dass die in ihre Bohnensuppe Tomatenpüree geben. Strudl und Buil kennt in Illmitz jeder, und jede Familie hat ihre eigene Version.

Hier kommen unsere Versuche, Probleme und Erfolge.

Die Zutatenliste: Maisgries, Paprikapulver, Bröseltopfen, gehackte Tomaten, Salz, Mehl, Schmalz (kann wie immer durch Öl ersetzt werden), ein Ei, eine halbe Portion Strudelteig und weiße Bohnen, die schon am Herd köcheln, während das Bild geschossen wurde. Wie man merkt:  da ist nichts Teures oder Ausgefallenes dabei.

Die Bohnen 24 Stunden in Wasser einweichen, dann 1 Stunde weich kochen. Wenn sie weich sind mit Brühwürfel und Salz würzen.

Den Bröseltopfen mit einem Ei und etwas Salz vermischen. Es ist wirklich wichtig, dass man bröseligen Topfen verwendet! Normaler gibt nicht dasselbe Ergebnis, da er zu feucht und glatt ist.

Das nächste Mal nehme ich auch mehr Topfen, 250g waren zu wenig für die Menge Gries.

In einem Topf Schmalz zerlassen (oder eben Öl erhitzen) und den Gries kurz anrösten. Dann mit Wasser ablöschen und quellen lassen. Salzen nicht vergessen!

Den Gries abkühlen lassen und mit einer Gabel zerkrümmeln. Gemeinsam mit dem Topfen ergibt das die Strudl-Füllung.

Unser größtes Problem war, nicht zu wissen, wie man die kleinen Teigtaschen am besten füllt. Da hilft nur ausprobieren!

Variante 1:

Wie im Howto: Strudelteig Rezept beschrieben, den Teig ausziehen. Soweit so gut. Dann die Griesmasse locker darauf verteilen.

Den Topfen darüberstreuen. Die dicken Ränder des Teigs abschneiden.

Dann von oben her den Strudel einrollen und das untere Ende abschneiden.

Mit dem bemehlten Stil eines Kochlöffels den Teig alle 5 cm fest zusammendrücken. Aber bitte nicht zu fest drücken, sonst bricht euch auch der Kochlöffel ab…

Die so entstandenen Taschen auseinander schneiden und die Enden mit den Fingern gut zusammendrücken.

Das Problem: Dadurch, dass der Teig gleichmäßig befüllt war, war auch an den Einkerbungen Füllmaterial. Die Taschen sind leicht aufgerissen oder konnten gar nicht erst richtig verschlossen werden. Insgesamt waren sie auch viel zu kompakt gefüllt.

Variante 2:

Die logische Alternative sind kleine Häufchen! So bleiben die Zwischenräume weitestgehend frei von der Gries-Topfenmasse.

Beim Aufrollen muss man ein bisschen aufpassen, dass die Häufchen an ihrem Platz bleiben. Aufgerollt sieht es dann schon vielversprechend aus. Man kann gut erkennen, wo die Zwischenräume sind. Dort einfach mit dem bemehlten Stiel eines Kochlöffels den Teig fest zusammendrücken und auseinander schneiden.

Das Zusammendrücken der Teigenden der einzelnen Taschen mit den Händen klappt mit dieser Methode wunderbar. Keine einzige Teigtasche ist aufgerissen. Durch die Zwischenräume befindet sich jetzt auch ein bisschen Luft in den Taschen, so sind sie lockerer. Wie bei der Oma!

Nun muss noch die Bohnensuppe zubereitet werden. Wir beginnen mit einer Einbrenn (Mehlschwitze): ein bisschen Schmalz (oder Öl) in einem Topf erhitzen und mit Mehl bestäuben. Mit einem Schneebesen anrösten. Dann mit Tomatenpüree ablöschen. Mit Zucker und Paprikapulver würzen.

Die Bohnen samt Kochwasser dazuschütten. Mit einem Lorbeerblatt ca. 5 Minuten köcheln lassen.

Das Lorbeerblatt entfernen und die Suppe fertig stellen: nach Bedarf etwas Wasser hinzugeben, salzen. Ein paar Tropfen Essig geben der Suppe den typischen Geschmack. Aber nicht zu viel, der Essig kann sehr schnell überhand nehmen. Ich schütte eine kleine Menge Essig in den Deckel der Essigflasche, dann kann ich den Essig Tropfen für Tropfen in die Suppe geben. Hat man zu viel Essig erwischt, mit einer Prise Zucker ausgleichen.

Die Strudl einmal in Wasser aufkochen, dann siedend fertig kochen (ca. 10 Minuten).

Schon kann angerichtet werden! Ein Teller voll Suppe mit einer leckeren Strudl in der Mitte.

Die einfachsten Gerichte sind manchmal die besten. Die Strudl kann man auf Vorrat herstellen (aber bitte mit Variante 2!) und einfrieren, die Suppe ist schnell gezaubert – ein unkompliziertes Alltagsgericht, das kaum was kostet. Bauernküche eben :)

5.0 from 2 reviews
Strudl und Buil
 
Arbeitszeit
Kochzeit
Zeit insgesamt
 
Portionen: 6
Zutaten
Strudl
  • 500g Bröseltopfen
  • 1 Ei
  • 1EL Schmalz od. Öl
  • 200g Maisgries
  • ca. 300ml Wasser
  • ½ Portion Strudelteig, selbst gemacht
  • Salz
Buil
  • 250g getrocknete weiße Bohnen
  • 1EL Schmalz
  • Mehl
  • ½ Dose pürierte Tomaten
  • ½ EL Zucker
  • 1TL Paprikapulver
  • 1 Lorbeerblatt
  • Essig
  • Salz
Zubereitung
Strudl
  1. Den Bröseltopfen mit dem Ei und etwas Salz mischen.
  2. Den Gries in Schmalz oder Öl rösten, dann mit dem Wasser ablöschen. Unter Rühren quellen lassen, ev. etwas Wasser nachschütten. Dann abkühlen lassen und mit einer Gaben bröselig rühren. Mit dem Topfen vermengen.
  3. Den Strudelteig nach Anleitung vorbereiten. Die Topfen-Gries-Masse in Häufchen auf das obere Ende des Teigs setzen. Dicke Teigränder mit einem Messer wegschneiden, dann den Teig aufrollen.
  4. Die Teigzwischenräume mit einem bemehlten Kochlöffelstil fest zusammendrücken und auseinander schneiden. Die einzelnen Strudl mit den Fingern gut verschließen.
  5. Strudl nach Bedarf in kochenes Wasser setzen, einmal aufkochen, dann siedend gar ziehen lassen (ca. 10 Minuten). Nicht gebrauchte Strudl können eingefroren werden.
Buil
  1. Die Bohnen 24 Stunden in Wasser einweichen. Dann eine Stunde weichkochen. Wenn sie weich sind mit Salz und Brühwürfel würzen.
  2. Schmalz oder Öl in einem Topf erhitzen. Mehl einrühren und anrösten lassen. Mit Tomatenpüree ablöschen und mit Zucker und Paprikapulver würzen.
  3. Die Bohnen samt Kochwasser dazuschütten. Mit einem Lorbeerblatt 5 Minuten köcheln lassen.
  4. Das Lorbeerblatt entfernen. Nach Bedarf Wasser nachschütten, mit Salz und Essig würzen. Mit dem Essig sehr vorsichtig umgehen, die Suppe braucht nur wenig.

Trackback from your site.

Comments

  • Christiane

    Written on 9. August 2013

    auch von uns vielen Dank für das Rezept,

    wir waren auch mal in Illmitz, unter anderem auf dem Dorfstraßenfest und haben Strudl und Buil probiert, es war sehr lecker, drum will ich es jetzt einmal nachkochen.
    Hoffentlich bekommt man Bröseltopfen in München…

    Viele Grüße nach Illmitz aus München

    Christiane

    Antworten
    • Claudia

      Written on 11. August 2013

      In München kannst du noch Glück haben, Bröseltopfen zu finden :) Ansonsten nimm normalen Topfen, schlage ihn in ein sauberes Geschirrtuch und wringe ihn damit gut aus, dann wird er ähnlich trocken wie echter Bröseltopfen. Gutes Gelingen!

      Antworten
  • Lisa

    Written on 6. April 2013

    Vielel vielen Dank für das Rezept!!
    Meine Familie kommt ursprünglich auch aus Illmitz und auch meine Oma hat es sehr oft gekocht, vorallem weil ich es mir so oft gewünscht habe :) Mittlerweile bin ich erwachsen und habe es ewig nicht mehr gegessen. Gerade kam es mir zufällig wieder in den Sinn und bin jetzt auf dein Rezept gestoßen und einfach nur happy! Wird sofort ausprobiert! Dankeschön für dieses Zezept, hast meinen Tag gerettet :)

    Antworten
    • Claudia

      Written on 16. April 2013

      Hihi, das ist ja cool! Ich freu mich total, genau deswegen krame ich solche Rezepte hervor – damit wir Kindheitserinnerungen aufleben lassen können und diese leckeren Gerichte nicht verloren gehen :) Musst mir unbedingt erzählen ob sie an deine Erinnerung rankommen!

      Antworten

Leave a Reply to Christiane

Hier klicken, um das Antworten abzubrechen.

Rezept bewerten: